Lofoten im polaren Winter | Unsere Kleidungsempfehlungen

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Was man so alles braucht

Es erreichen uns aktuell sehr viele Anfragen von Interessenten über die Wetterbedingungen auf Lofoten und Vesterålen in den von uns angebotenen Zeiträumen.iceborn
In allen bisher bei uns eingegangenen Mails klingt an, dass man enormen Respekt vor der zu erwartenden polaren Kälte hat und fürchtet dass diese einer denkwürdigen Reise im Wege stünde.
Es ist richtig wir bewegen uns hier dreihundert Kilometer nördlich des Polarkreises und das bedeutet in seiner Konsequenz:

„Es wird Kalt“
Kälte und insbesondere kalter und scharfer Wind sind einer entspannten, genussvollen und dementsprechend produktiven Fotografie eher abkömmlich.
Wie kalt wird es denn nun auf Lofoten ?
Ein Blick auf die Klimatabelle sollte hier Klarheit verschaffen.
Natürlich sind das gemittelte Werte über einen recht langen Zeitraum. Jedoch erlaubt es uns eine recht gute Einschätzung dessen, was uns auf Lofoten und Vesterålen an Minustemperaturen erwarten kann.
Minus 16 Grad im Februar sind definitiv eine Hausnummer, insbesondere auch im Hinblick auf den Umstand das die Temperatur in Berlin im Februar(langjähriger Mittelwert) bei -2,5 Grad Celsius liegt.

Nun wissen wir alle das in Berlin auch Temperaturen um -10 Grad möglich sind.
Nimmt man diesen Wert und addiert ihn auf die -16 Grad Celsius können wir also davon ausgehen dass im schlimmsten Fall Temperaturen bis -30 Grad oder gar -40 Grad Celsius im Bereich des möglichen liegen.
Jedoch und das kann man nicht genug betonen handelt es sich hier um eine extrem trockene Kälte, was ich damit sagen will ist das die Luftfeuchtigkeit hier oben sehr niedrig ist.

Man nimmt die Kälte zur Kenntnis doch Sie hat nicht diesen unangenehm beißenden und an den Knochen nagenden Charakter wie bei uns.
Ich habe den Eindruck dass man Sie viel besser „ertragen“ kann.
Während unserer ersten Locationscouting Reise nach Lofoten und Vesterålen lagen die Temperaturen zwischen -2 Grad und -10 Grad Celsius.

Mithin lagen wir hier also über dem Temperaturniveau wie er im überaus kalten Februar in Deutschland vorherrschte.
Immer vom Worst Case ausgehen
Bei der Wahl unserer Kleidung sind wir aber vom schlimmst möglichen Szenario ausgegangen.
Es bringt niemandem etwas ausgerechnet hier an dieser Stelle auf Kleidung zurückzugreifen die bei -10 Grad gerade so ausreicht und halbwegs wärmt.crushedice

Halbe Sachen nach dem Motto:
„Das wird schon irgendwie“ haben hier am Polarkreis nicht nur keinen Wert sondern sind ein Garant für Stress und schmerzende Extremitäten.

Wer hier spart, der spart am absolut falschen Ende, weil in Konsequenz fest davon ausgegangen werden kann, dass der Großteil der zur Verfügung stehenden Zeit darauf verwendet wird, sich Gedanken darüber zu machen wann man endlich im warmen Hotelbett liegt.

So kann man die Naturschönheiten nicht genießen, so kann man keine Kreativität entwickeln, so wird die erhabenste Aurora zu einem armseligen Flackern.

Wir möchten, dass ein jeder unserer Workshop Teilnehmer ein Maximum an herausragenden Polarlichtaufnahmen vor einer einmaligen Naturkulisse realisieren kann
Das bedeutet in Konsequenz jedoch, dass lange Wartezeiten in polarer Kälte nicht nur wahrscheinlich sondern sicher sind.
Wir fahren euch teilweise an Orte die 200 km von unserem Hotel entfernt sind, es versteht sich von selbst dass man da nicht einfach mit einem Taxi ins warme Hotel fahren kann.

Damit Ihr unsere gemeinsame Fotoreise zu den Polarlichtern in vollen Zügen genießen könnt, haben wir einfach mal eine kleine Aufstellung unverzichtbarer und empfehlenswerter Ausrüstung für euch vorbereitet.

Die Stiefel

Kälte hat die unangenehme Eigenart sich von unten nach oben zu arbeiten, je besser die Stiefel sind umso komfortabler und unbeschwerter kann man sich das Schauspiel im Himmel zu Gemüte führen und diese Momente in vollen Zügen genießen.

friends


Wir alle haben uns nach eingehender Recherche für Winterstiefel der Firma Kamik entschieden. Diese sind im Vergleich zu den üblichen Verdächtigen wie Meindl (Gore Tex wasserdicht aber 400 Euro Teuer) relativ Preiswert.

Ich bin sehr empfindlich was Kälte angeht und kann das überhaupt nicht verknusen, also habe ich damals direkt Nägel mit Köpfen gemacht und mich für die Kamik Cody entschieden.
Die Kosten für diesen Stiefel belaufen sich auf faire 199 Euro.

Außerdem empfehle ich zusätzlich zu diesen Stiefeln direkt den Kauf von dicken Wollsocken aus Merinowolle.
Man sollte penibel darauf achten dass es sich hierbei um Merinowolle handelt!!
Diese hat nämlich die ungemein angenehme Eigenart, dass Sie nicht kratzt wie Schurwolle. Schweiß wird weg von den normalen Socken transportiert und sie  wärmen sehr effizient.
Anders als Christian und Deryk habe ich mit diesen Stiefeln keine Zehenwärmer gebraucht.
Zwar sind die Kamiks nicht wasserdicht wie Stiefel aus Gore Tex jedoch sind Sie wasserabweisend.
Mehr als einmal bin ich auf zugefrorenen Seen oder Tümpeln eingebrochen und hatte wirklich zu keinem Zeitpunkt Probleme mit Wasser oder Kälte.

Die Hose

Es gibt heute wirklich extrem gute Funktionskleidung, die für alle Wind und Wetterbedingungen zugeschnitten sind, aber wie bei allem anderen auch sind die Preisunterschiede teilweise enorm.
Zweifellos stellen die modernen Gore Tex und Sympatex Fasern den Gipfel an Isolierung und Wasserdichtigkeit dar, aber dass hat seinen Preis.underpressure

chris

Jedoch gibt aber eine Faser die seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis heute Produziert wird und auch heute noch eine große Fangemeinde hat.
Es handelt sich hierbei um das G1000 Material von Fjäll Räven im Vergleich zu den erstgenannten Fasern sind die Hosen mit diesem Material etwas günstiger bei ähnlich guten Eigenschaften.
Ich habe mich daher für die Fjäll Räven Barents Pro entschieden. Kostenpunkt hier 109.- Euro.

Zusätzlich sollte man definitiv Geld in gute Unterwäsche investieren und alles was mit Baumwolle zu tun hat hier links liegen lassen.

 The North Face hat aktuell sehr gute Unterwäsche aus feinem Fleecematerial welche Schweiss wunderbar wegtransportiert und wirklich sehr gut wärmt.
Ich empfand es auch als überaus angenehm, dass diese Ihre Form auch nach Stunden nicht verlieren wie es bei Baumwolle oft der Fall ist wenn man schwitzt.
Ja so unglaublich es klingen mag wir werden auch ins Schwitzen kommen.
Kosten für ein Set belaufen sich auf etwa 45 Euro.
 
 
Der Parka
 
Kommen wir nun zur dritten Komponente mit höchster Wichtigkeit, den Parka
Parka deswegen weil es von enormer Wichtigkeit ist die Hüften und den Popo durch den Parka bestmöglich bedeckt werden um Wind gar nicht erst eine Angriffsfläche zu bieten.
Empfehlenswert und absolut Warm, Wind- und Regendicht sowie Atmungsaktiv ist der Fjäll Räven Yupik Parka.
Dieser kostet im Einschlägigen Fachhandel zwischen 290 und 400 Euro.
Sicherlich sind das sehr hohe Kosten jedoch sollte man sich stets vor Augen halten, dass es darum geht die Natur unbeschwert genießen zu können, es geht darum beseelte und ausdruckstarke Fotografien zu gestalten und das geht halt nur wenn man sich wohlfühlt.
Zu keinem Zeitpunkt hatten wir das Gefühl dass die Wetterbedingungen uns in irgend einer Art und Weise behindert hätten, vielmehr war es so dass wir während unserer 12 stündigen Fotosessions die Kälte als solche mit einem Achselzucken zur Kenntnis genommen haben.
Wenn der Wind heftiger wurde habe ich ihm einfach meinen Rücken zugedreht an meinem Kaffee genippt und mich an dem Ausblick erfreut.
Meine Füße waren wunderbar muckelig eingepackt. Die Hände habe ich einfach in die gefütterten Parkataschen geparkt und Musik gehört.
Für drunter hatte ich oftmals nur ein T-Shirt oder ein leichtes Fleece an. Wenn man empfindliche Haut hat sollte man gegen den Wind über die Anschaffung einer wasserabweisenden Sturmhaube nachdenken.
Auch ist eine adäquate Kopfbedeckung von enormem Wert, da der menschliche Körper einen Großteil der Wärme über den Kopf verliert.
Ich Depp habe vorher immer gedacht, sowas wäre nur ein modischer Schnickschnack......Wink
Aber bei allem Respekt vor Väterchen Frost kann ich euch versichern, dass ihr mit der Richtigen Ausrüstung zu keinem Zeitpunkt seinen Grimm ausgeliefert sein werdet.
Man ist einfach komfortabel, warm und weich gewandet, man nimmt sie einfach zur Kenntnis wie einen Sommergewitter ganz einfach weil man ihr keine Schwachstellen präsentiert.
Es macht einfach Spass so, es ist unbeschwert so.......Wenn nicht, könnt Ihr mich in den Atlantik schmeissen 

Undecided


 
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Für mich ist die Fotografie das perfekte Medium um für mir klar darüber zu werden warum ich Dinge als schön empfinde. Sie ist in erster Linie ein perfektes Alibi um meinem Alltag auf Wiedersehen zu sagen. Oft gehe ich raus, geniesse die mich umgebende Natur. Das sieht dann so aus, daß ich Morgens das Haus verlasse, beladen mit Musik, Tabak und Tee und geniesse einfach da zu sein und irgendwann in der späten N8 hat mich die Realität dann wieder. Tja und zwischendurch drücke ich dann auf den Auslöser um ein wenig von dem was ich erleben und sehen durfte für mich festzuhalten. Ein jedes meiner Fotos entspringt somit meinem törichte Verlangen das wahre, schöne und gute mitzunehmen und anderen vom erlebten zu berichten.

Thats it eigentlich, meine ureigene törichte und bescheidene Art der ZEN Fotografie :-)

Kommentare

  • Gast
    Jens Donnerstag, 21 Juni 2012

    Danke für den sehr hilfreichen Artikel! Ich war unter anderem einer der Nachfrager und auch wenn ich dieses Mal aus anderen Gründen leider nicht dabei sein kann, es bleibt ja hoffentlich nicht die letzte Möglichkeit mit euch nach Norwegen zu fahren. :D

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  • Gast
    Dominik Sonntag, 22 Juli 2012

    Nachdem ich erschwertes Interesse an einer Eurer Lofoten Trips habe, frage ich mich, ob ihr auch wärmendes Zubehör für Euer Equipment, sprich Kamera und Glas verwendet habt...

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  • Serdar Ugurlu
    Serdar Ugurlu Dienstag, 24 Juli 2012

    Hallo Dominik,

    Danke für deinen Beitrag.
    Ehrlich gesagt haben wir was Wärme angeht nur darauf geachtet das unsere Astralkörper muckelig warm waren.

    Unsere einäugigen Freundinnen hingegen mussten sich der Kälte hingeben.

    Auffallend war dass die Akkuleistung um etwa 30 % geringer war als bei normalem Wetter. Alles andere war problemlos.
    OK wenn man Stative ins Wasser stellt kann es gefrieren. Bleibt nicht aus, daher war on Location und später im Basislager Stativputzen angesagt.

    Wir haben peinlichst darauf geachtet nach Heimkehr die Rucksäcke verschlossen zu halten und den Kameras und Objektiven die notwendige Zeit zu gewähren sich an den Temperaturunterschied zu gewöhnen.

    Stichwort:

    Kondensation

    Auch habe ich immer zwei bis drei gute Tüten Silica Gel in Nylondamenstrümpfen im Rucksack.
    Warum Nylondamenstrümpfe ?
    Ganz einfach:

    Sollten die Dinger wider erwarten doch die Feuchtigkeitssättigungsgrenze überschreiten bleibt all das feuchte Zeug im Nylonstrumpf und verteilt sich nicht wie nasse Butterkekse im Rucksack.

    Also:

    Popo und Füße Warm halten die Kameras kommen mit der Kälte gut klar. Kugelköpfe haben auch alles klaglos mitgemacht, also keine schwergängigeit etc.

    LG

    Serdar

  • PeggySue
    PeggySue Donnerstag, 05 September 2013

    Danke für diesen ausführlichen Beitrag - neben der Suche nach dem optimalen Objektiv habe ich mich gefragt, ob meine Skiklamotten für diesen Trip ausreichen. Nein, eher nicht, daher werde ich brav die vorgeschlagene Liste abarbeiten. Bei den Schuhen bin ich bei Meindl schon fündig geworden. Die Hose von Fjäll Räven ist auf dem Weg zu mir (hoffentlich passt sie!!!). Freu mich schon auf 2014 :D Hasta luego!

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  • Gast
    Alex Mittwoch, 22 Januar 2014

    Hi,

    danke für den Beitrag.
    Ich bin Ende März für eine Woche auf Spitzbergen und schau mich gerade nach entsprechender Bekleidung um. In dem Beitrag habe ich nichts von Handschuhen gelesen. Gibt es da etwas brauchbares?
    Der Beitrag ist mittlerweile 1,5 Jahre alte. Gibt es mittlerweile aktuelle Tipps welcher Art auch immer?

    Danke und Gruß,
    Alex

  • Serdar Ugurlu
    Serdar Ugurlu Mittwoch, 22 Januar 2014

    Hallo Alex,
    Vielen Dank für deinen Beitrag


    Stimmt der Beitrag ist jetzt schon was Älter aber ich sags mal so:
    Er hat kein Verfallsdatum :D

    Handschuhe nutze ich persönlich eher nicht weil ich bei der Arbeit mit der Kamera eine vernünftige Taktile Rückmeldung brauche.
    Kein mir bekannter Handschuh bietet das imho.

    Vielleicht bietet der Markt etwas entsprechendes, für mein Empfinden ist das vorhandensein oder das nicht vorhandensein von Handschuhen von keiner großen Bedeutung für das Wärme Empfinden und den Schutz der eigenen Gliedmaßen.

    Parka, Hose, Unterwäsche etc. sind viel viel wichtiger.

    Im übrigen kann man mit Taschenöfen oder Kohlenstoffpads in Taschen eine Warme Atmosphäre in eben diesen Schaffen und die Hände darin parken was dann auch den Vorteil hat, dass man spürt welche Räder man dreht und ob man den Auslöser richtig getroffen hat.

    Viel Spass und viel Erfolg auf Spitzbergen wünshe ich dir.

    LG

    Serdar

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Gast Sonntag, 20 April 2014